Elbaman 2009

Als ich am Sonntagabend nach einem elend langen Marathon ins Ziel kam, stellte ich mir die Frage, ob das jetzt wirklich sein musste. Nun ja, nicht erst dann, eigentlich schon die ganzen letzten Stunden zuvor auch. Aber der Reihe nach:

Als Saisonabschluss wollte ich’s noch mal krachen lassen. Da dieses Jahr noch keine Langdistanz in meinem Wettkampfkalender stand und der Elbaman außerdem eine schön bergige (3000 Höhenmeter…) Radstrecke aufweist, beschloss ich, der Mittelmeerinsel einen Besuch abzustatten.

Gesagt getan, Radkoffer gepackt und am Donnerstag mit Easyjet einigermaßen kostengünstig über die Alpen nach Pisa. Von dort führte der Weg dann ausgesprochen billig (6,60€ für 2h Zug- und Busfahrt, pünktlich und mit perfekten Anschlüssen) zum Hafen Piombino. Ab auf die Fähre und den Wind um die Nase wehen lassen. Leider fuhr zur späten Stunde auf der Insel kein Bus mehr, so dass meine Reisekasse durch das Taxi zum Campingplatz doch noch arg strapaziert wurde. Aber was soll’s, problemlos angekommen, Zelt aufgebaut und noch mal schnell die Füße ins warme Nass gehalten. Am Freitag hieß es dann die Radrunde genauer zu inspizieren (im Rennen 3 á 60km). Ich sag Euch: Einfach nur herrlich! Aber später mehr.

Abends dann noch auf der Nudelparty den Bauch voll schlagen.

Einchecken am Samstag war auch recht unkompliziert, die familiäre Atmosphäre der kleinen LD-Rennen kommt einem dabei erheblich zu Gute und man muss nirgendwo lange warten.

Den Weg zur Wechselzone (die mitten im Ort auf einem Parkplatz platziert war) am Rennmorgen ließ sich bequem zu Fuß (einmal um die Bucht) zurücklegen, so musste ich auch nicht allzu früh aufstehen.

Pünktlich um 7 fiel der Startschuss und ca. 500 Athleten stürzten sich vom Strand in die aalglatte See der Sonne entgegen. Das Wasser hatte 23,5° und war glasklar, also optimale Bedingungen. Nach etwas mehr als einer Stunde hatte ich zum zweiten Mal wieder Boden unter den Füßen (2 Runden mit „Australian-Exit“) und nahm die 500m zur Wechselzone in Angriff.

Auf dem Rad lief es dann erstmal richtig rund. Gleich nach wenigen Kilometern ging’s moderat aber lang gezogen den ersten Berg hinauf, von dem man einen herrlichen Blick über die Bucht hatte (bei strahlendem Sonnenschein, die Temperaturen sollten im Laufe des Tages noch auf fast 30° ansteigen). Dort konnte ich auch viele Plätze gut machen. Denselben wieder runter und eine traumhafte Küstenstraße um die westliche Hälfte der Insel herum (an der Costa del Sole, die ihrem Namen alle Ehre machte). Rauf und runter, links und rechts, einfach nur geil!

Zwischendurch musste man noch den schwersten Teil der Runde bewältigen, einen 10%-Anstieg, der sich über mehrere Kilometer hinzog (aber trotzdem immer noch nicht den höchsten Punkt der Strecke darstellte). Nach einem weiteren gemäßigten Abschnitt erreichte man noch einmal kraxelnd den höchsten Punkt, ab dann ging’s fast nur noch bergab, teilweise mit recht anspruchsvollen Serpentinen. Wieder an der Wechselzone wurde man direkt durch die Füßgängerzone geleitet, zwar blöd zu fahren, aber natürlich durch die vielen Zuschauer mit Gänsehautgarantie…

Soweit so gut, die ersten 120km verliefen voll nach Zeitplan und ich machte mir nicht weiter Gedanken.

Tja, und dann kam der Mann mit dem Hammer…

Auf der dritten Runde fingen meine Füße und mein Rücken plötzlich dermaßen an zu streiken, dass an Raddruck nicht mehr zu denken war. Auflieger tabu, jede Bodenwelle eine Qual. Das war insofern besonders ärgerlich, da ich mich muskulär noch ziemlich fit fühlte. Ab dann wollte ich aber nur runter vom Rad. Auf der letzten Runde verlor ich so über eine halbe Stunde…

In der Wechselzone angekommen versuchte ich mich zu sammeln und hoffte, dass wenigstens der Marathon noch halbwegs ordentlich zu bewältigen war. Zumindest das Profil der Laufstrecke war flach, diese war als 8km Wendepunktstrecke konzipiert und führte an der Promenade entlang, gesäumt von vielen Touries, die aber (zum Glück) die Athleten anfeuerten und nicht breit in der Strandbar gröhlten .

Nach ein paar km hatte ich zum Glück meinen Rhythmus gefunden und trabte zunächst recht entspannt daher, ich wollte lieber erstmal auf Nummer sicher gehen.

Und dann kam Silvia, ihres Zeichens italienische Profistarterin und zu dem Zeitpunkt dritte bei den Damen. Hey, Ras, eigentlich fühlst du dich doch noch ganz gut, häng’ dich da mal ran…Also ab auf den Zug. Sie lief eine angenehme Pace und ich dachte mir es könnte doch noch ein versöhnlicher Abschluss werden. Dann kam Michaela, ihres Zeichens ziemlich flott unterwegs und überholte uns zwei. Nein, Ras, pfui, so gut geht’s dir dann doch nicht…

War auch besser so. Bis km 16 wechselten die italienische Schönheit und ich uns in der Führungsarbeit ab.

Und dann kam der Mann mit dem Hammer zum zweiten Mal, und diesmal richtig. Man kann sagen: Es ging gar nix mehr. Ich hangelte mich nur noch von Verpflegung zu Verpflegung, auwei, musste das wirklich sein? Nun gut, allen anderen um mich herum ging’s teilweise noch viel schlechter (meine Herren, lagen da viele Leute im Schilf…), aber man muss sich ja nicht immer nach unten orientieren . Das wurden die längsten 25km meines Lebens. Silvia war’s inzwischen zu bunt in ihrem pinken Bikini, am Ende sollte sie mir noch über eine halbe Stunde abnehmen.

Ich dachte mir nur noch: Warum hast du nicht einfach Saisonpause gemacht, so wie jeder vernünftige Mensch auch? Aber da musste ich jetzt durch. Ich weiß nicht mehr wie, aber nach elend langen Runden tauchte plötzlich das Mädel mit dem fünften Band (natürlich rosa!) vor mir auf und ich durfte in den Zielkanal. Puh, geschafft!

Den ganzen Marathon habe ich nicht auf die Uhr geschaut, ich wollte es gar nicht wissen. Doch jetzt im Ziel schielte ich mal kurz Richtung Handgelenk: 12:17h! Auwei, das war ein hartes Stück Arbeit. Geschmeidige 4:30 für den Marathon.

Aber gut, so was gehört wohl auch dazu und ich bin um eine Erfahrung reicher. Ein Blick auf die Ergebnisliste verriet eine extrem hohe Aussteigerquote, offenbar haben viele den Bedingungen ihren Tribut zollen müssen (so brach im Übrigen auch Daniel Blankenfuland, immerhin 3. beim Norseman und mein Zeltplatznachbar (an dieser Stelle viele Grüße nach Worms!), beim Marathon ein und hatte am Ende sportliche 4h beim Laufsplit stehen). Es reichte bei mir trotz allem noch zum vierten Platz in der AK, was natürlich doch ein bisschen ärgerlich war.

Alles in allem war’s aber eine Reise wert, auch wenn ich mit gemischten Gefühlen auf das Ergebnis blicke. Elba hat sich von seiner besten Seite gezeigt, der Wettkampf überzeugt durch seine familiäre Atmosphäre mit vielen freundlichen Helfern und schönen Strecken. Prädikat: Empfehlenswert!

Mal sehen, was die nächste Saison bringt…

Ergebisse unter: http://www.kronoservice.com/it/kstiming/schedaclassifica.php?idgara=49

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Rasmus Kornrumpf @ 19:50

4 Antworten to “Elbaman 2009”

  1. skurt sagt:

    Rasmus, geile Sache, du reihst dich ein in die Reihe der Berichte die ich mit Bewunderung lese und Stolz bin mit dir trainineren zu können. (Und auch vieles andere außer Sport!) *respekt*

  2. Rob sagt:

    Ey Rasmus, willkommen in der Saisonpause :-)

  3. Hey Rasmus,

    erstmal dicken Glückwunsch fürs Durchbeißen, ich weiß wovon ich rede :O)
    Sehen wir uns dann beim Schwimmen und Laufen am Freitag? Meine Motivation ist ungebrochen, was ist mit Deiner?
    Grüße Iris

  4. Rasmus sagt:

    Hey, vielen Dank!
    Ja, Fr schau’ ich mal wieder ‘rein,
    so langsam kommt auch die Motivation wieder ;-)

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