Challenge Roth 2010

Schlagwörter: , , ,

Nach einer langen Vorbereitung und vielen harten Trainingseinheiten war es nun endlich soweit. Alle 9 Starter hatten fleißig trainiert und waren bereit für den Saisonhöhepunkt (natürlich hatte sich auch Daniel in Essen gut vorbereitet).
Leider hatte ich eine Woche vor dem Start Pech und hab mir eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Nach 3 Tagen hatte ich 5kg verloren und war mir sehr unsicher ob ich starten bzw. finishen kann. Aber die vielen aufmunternden Worte derer die Bescheid wussten, hatten mir dann doch wieder Mut gemacht und ich war entschlossen es zu versuchen.

Freitag

Am Tag der Abreise ging es morgens zum Frühstück zum Langdistanz-„Urgestein“ Sebastian Hauer, der leider aufgrund seiner Knieverletzung nicht starten konnte.
Mit ein paar Tipps und frisch gestärkt ging es dann auf nach Roth.
Am selben Tag wurden noch die Startunterlagen abgeholt und die Pasta-Party genossen, die mir bereits die erste Gänsehaut bereiten sollte.

Samstag

Am Samstag gab es noch einen kurzen Ausritt auf den Rädern. Für mich ging es sicherheitshalber nur 10min aber für Kurti, Rasmus und vor allem Nils noch ein Weilchen länger. Gerade Nils lechzte nach seinen 8 Monaten in Argentinien nach den ersten Ortseingangsschild-Sprints.
Danach ging es für uns noch mal raus zu einem kurzen Lauf.
Am Nachmittag wurden dann die Räder, Helme und der Wechselbeutel für den 2. Wechsel eingecheckt.

Sonntag

Der Tag des Rennens begann bei uns um 3:45 Uhr. Nach der kurzen Nacht gab es noch ein kurzes Frühstück und dann machten wir uns auf den Weg zum Schwimmstart.
Die Nervosität bei mir wurde immer größer. Die Zweifel kamen zurück: „Soll ich wirklich starten?“ … Ich verbarg meine Nervosität mit Musik und richtete meine Wechselzone ein.

Schwimmen
Jede Startwelle wurde mit einem Lied und einem Schuss auf die Reise geschickt. Das Schwimmen gestaltete sich deutlich angenehmer als im Vorjahr in Frankfurt, da nicht 2000 sondern lediglich 200 Starter gleichzeitig starten.
Der Rückweg im Kanal zog sich für mich elendig lang und als die 2te Wende dann noch mal ein paar hundert Meter hinter der Brücke war, wuchs der Frust. Der Wechsel im Zelt ging einigermaßen schnell. Die Helfer unterstützen einen dabei wobei es nur geht. Mit einem halben Riegel im Mund und gut gelaunt ging es schnell zum Rad.

Rad
Kurz vor dem Aufspringen aufs Rad sah und hörte ich Achim und Rita die uns das ganze Wochenende begleitet haben. Nach dem Sprung aufs Rad gab es ein komisches Geräusch vom Vorderrad. Der Magnet hatte am Empfänger geschliffen. Egal… Erstmal in die Schuhe rein! Nach 500m gab es eine Kurve auf die Brücke und dabei fuhr ich fast in einen unachtsamen Zuschauer… Schnell vergessen!! Das „Klacken“ musste jetzt weg. Ich griff bei Tempo 40 an den Empfänger und hatte ihn nach außen gedreht. Glück gehabt! Alles gut gegangen!
Bei Kilometer 4 der nächste Schreck. Ich bin falsch abgebogen und hinter mir gleich 6 Fahrer mit. In dem Moment war niemand vor mir und die Polizei hatte etwas geschlafen. Aber der Sprecher brüllte ins Mikro und hatte nur „nach links!“ gebrüllt… Eine Vollbremsung später ging es dann auf die erste von zwei Radrunden.
Die erste Runde lief noch wirklich gut. Allerdings war die Strecke welliger als ich sie erwartet hatte. Auch die langen und zum Teil sehr schnellen Abfahrten waren nicht ohne.
Aber das absolute Non-Plus-Ultra kam bei Kilometer 70: Der Solarer Berg.
Nils hatte mich vor der Kurve noch lautstark angefeuert. Und dann sah ich plötzlich diese Menschenmassen. Tausende von Fans ließen eine Gasse bei der niemand mehr überholen konnte. Nach links und rechts waren es nur wenige Zentimeter zu den Fans. Ein unglaubliches und unvergessliches Gefühl!
In der zweiten Radrunde waren scheinbar alle Reserven aufgebraucht denn ich hatte plötzlich gar keine Kraft mehr. Ab da fing ich an Selbstgespräche zu führen und mich immer wieder selbst anzuschreien um mich weiter zu treiben.
Nach endlos langen 180km ging es voller Vorfreude auf zum Laufen. Der Wechsel im Zelt ging dank der Helfer wieder problemlos und schnell.

Lauf
Auf den ersten Kilometern kamen mir die Führenden im Rennen entgegen und ich war einfach beeindruckt vom Tempo der Profis. Aber egal, ich musste mich auf mein eigenes Rennen konzentrieren.
Der Lauf bestand aus zwei langen Schleifen wobei ein Großteil am Kanal gelaufen wurde, der kein Ende nehmen wollte. Die Stimmungsnester auf der Laufstrecke waren neben dem Verpflegungsständen eine Notwendigkeit, da die Abwechslung und die Anfeuerung mir Kraft für die nächsten Kilometer gab. Vor allem aber die Tatsache, dass ich auf der Laufstrecke alle unsere Starter gesehen habe, war ein beflügelndes Gefühl. Ich hatte mir immer wieder gesagt: „Du wirst nicht aufgeben! Alle anderen quälen sich auch!“
Ab Kilometer 30 war mein Körper kurz vor dem Ende. Ich musste das erste Mal ein Stück gehen. Ich führte jetzt immer seltsamere Selbstgespräche um irgendwie noch die letzten Kilometer zu überwinden.
Die letzten Kilometer vor dem Ziel ging es noch durch die Altstadt von Roth und ich wusste jetzt: Ich schaffe das! … Die letzten hundert Meter vor dem Ziel ging es durch eine enge Gasse und dann über den roten Zielteppich.
Ich war überglücklich es ins Ziel geschafft zu haben. Einen kurzen Moment drohte ich das Bewusstsein zu verlieren aber ich konnte mich schnell wieder fangen. Eine Helferin brachte mich dann in das Verpflegungszelt, wo ich dann auch kurze Zeit später Kurti gefunden hatte.
An dieser Stelle nochmals Dank an alle, die mich nach dem Ziel so unterstützt haben, da ich kaum mehr gehen oder reden konnte. Geschweige denn mein Fahrrad abholen!

Gegen 22 Uhr saßen wir dann alle noch einmal gemeinsam im Hotel-Restaurant und gönnten uns ein ausgiebiges Abendessen. Alle hatten gefinisht und das kann sicherlich nicht jeder Verein von sich behaupten!

Mein Dank geht auch nochmal an die vielen Fans die extra unseretwegen angereist sind. Auch wenn ich euch nicht immer gesehen oder gehört habe, aber ich wusste ihr wart da. Genau wie all jene die das Rennen am PC verfolgt haben. Vielen Dank!
Ein Bericht von Marco Lügge

Ähnliche Inhalte:

  1. Irainman 70.3 Wiesbaden 2010 – Nichts für Angsthasen und Frostbeulen!
  2. Roth-Vorbereitung 2010 – Marcel plaudert aus dem Carbonlager
  3. Neue Fotos und was zum Lachen aus Roth
  4. Unsere Startnummern für die Quelle Challenge
  5. Elbaman 2009
Marco Lügge @ 22:20

Eine Antwort to “Challenge Roth 2010”

  1. Max sagt:

    Super Sache, vorallem der angenehm zu lesende (kurze) Bericht ;-)

    Gratulation!

Hinterlasse eine Antwort